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Das Buch
Farben eines Lebens

Donald Vaughn: Farben eines Lebens.
2016, Nordend Verlag, Frankfurt am Main, 282 Seiten, ISBN 978-3-00-053328-0

Das Buch ist eine Autobiographie eines Afroamerikaners der in der kleinen, schwarzen, urbanen Gemeinde in Detroit, namens "Conant Gardens", groß geworden ist. Es war eine Gemeinde neuer Hauseigentümer, die aus der Abeiterklasse stammten und allmählich die Segregationsgrenzen der Vorkriegsjahre Amerikas durchbrachen. Angefangen mit der Immigration seiner Eltern aus den Südstaaten, beschreibt der Autor die Atmosphäre Detroits in den 20er Jahren und die illegalen Aktivitäten seines Vaters. Seine Jugend, von seiner Mutter auf das Ziel der Integration hin gelenkt, führte ihn zu abenteuerlichen Eskapaden jenseits der Trennungsgrenzen der Rassen. Musik wird ein Zeichen des Klassenunterschieds. Seine Tante, eine aufstrebende Opernsängerin, leitet sein Gesangstalent von der Strasse, - wo Motown Records die zukünftigen Stars rekrutierten - und steuerte ihn zur Konzertbühne.

Rassismus wird nur als Einstellung der Weißen betrachtet, bis sich in seiner Familie ein Konflikt über die Hautfarbe seiner Partnerin zuspitzt. Nach einem abgebrochenen Studium und ohne Beruf, flüchtet er in den Militärdienst und wird mit offenem Rassismus konfrontiert. In Erinnerung an das Lebensmotto seiner Mutter: "Stock und Stein können deine Knochen brechen, aber Worte können dich nicht verletzen", gewinnt der Autor den Respekt seiner Vorgesetzten und wird Gruppenführer.

Während der Grundausbildung ist eine Reihe von Korrespondenzen mit seinen Eltern entstanden, die ein Fenster in das Leben seiner Familie offen halten werden. In vieler Hinsicht werden die Briefe die einzige Verbindung für die Eltern zu dem ältesten Sohn und seiner deutschen Frau sein. Die bewegenden Briefe seines Vaters, der nie aufhörte seinem Sohn den Weg im Leben zu zeigen, sind ein Dialog, der parallel zur Geschichte des Autors läuft.

Historische Ereignisse, die sowohl in der amerikanischen als auch in der deutschen Gesellschaft stattfanden, werden eingeblendet in die Erzählung, die zwischen Frankfurt und Detroit oszilliert. Der vorwiegende Teil der Autobiographie wird erzählt vor dem Hintergrund der sozialen Veränderungen während der 68er Studentenbewegung und den Konflikten der Immigranten in Deutschland zwischen 1960 und 1998. In diese Zeit fällt auch die Geschichte seiner Bemühungen, eine Karriere als Sänger/Schauspieler zu machen und die der Diskriminierungen, die er und seine Frau als bi-nationales Ehepaar erleben.

Er findet Arbeit im Stadtplanungsamt der Stadt Frankfurt, bevor er seine Musik entgültig aufgibt. Neben seiner Arbeit studiert er Soziologie an der J. W. Goethe Universität in Frankfurt und bleibt bei der Stadtverwaltung als Soziologe im Amt für Multikulturelle Angelegenheiten. Durch seine Arbeit für Immigranten entsteht eine kritische Einstellung zu der deutschen Immigrationspolitik. Nach Beendigung seiner beruflichen Tätigkeit reist er ein letztes mal nach Detroit, um verlorene Identitäten und verlorene Erinnerungen der Vergangenheit zu finden. Wieder in seinem deutschen Zuhause zurück, wird er Zeuge des Endes eines anderen Lebens, dem seines Sohnes.

Es ist eine faszinierende Geschichte,  die eine soziologische Einsicht in Rassismus gibt, ohne dabei akademisch zu werden und auch rührend privat bleibt.

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